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Amphibienschutz

 

 

Krötenschutz bei Gut Waldau

Allgemeines

Vorwort:
Seit über 10 Jahren wird die Amphibienwanderung am Gut Waldau durch den "Naturschutz Rheinbach-Voreifel e.V." (ehemals Vogelfreunde Rheinbach) begleitet und unterstützt. Seit 1999 wird die Wanderung zahlenmäßig exakt erfasst und analysiert. Ab 2008 werden Krötentunnel das jährliche Einsammeln der Kröten an Gut Waldau ablösen, sodass in 2007 wohl letztmalig das Einsammeln der Amphibien erfolgten musste. Nun wird noch eine Lösung für die Leiteinrichtungen (Krötenzäune) gesucht. Solange müssen noch jährlich die Krötenzäune durch unsere Naturschutzhelfer aufgestellt werden. 

Kleine Amphibienkunde:
Es gibt Amphibien, die in Fließgewässern laichen, z.B. der Feuersalamander. Dann gibt es Amphibien, die das ganze Jahr über am bzw. im Teich leben, z.B. der Wasserfrosch. Diese beiden Gruppen interessieren uns hier nicht, denn sie sind am Gut Waldau nicht durch den Straßenverkehr gefährdet.

Uns interessieren die Amphibien, die ihr Leben in den Wäldern und auf den Feldern verbringen und sich nur für eine begrenzte Zeit von wenigen Wochen zu den Teichen zum Ablaichen begeben. In Rheinbach sind das:

  • Erdkröte, Kreuzkröte
  • Grasfrosch, Teichfrosch, Springfrosch
  • Bergmolch, Teichmolch, Fadenmolch, Kammmolch.

Diese Amphibien sind tagsüber selten zu sehen, denn dann verstecken sie sich in Erdlöchern oder unter Laub. Mit Beginn der Dunkelheit werden sie aktiv und gehen auf Nahrungssuche. Auch die Wanderung im Frühjahr zu den Laichteichen erfolgt im Schutze der Dunkelheit. Wenn die innere Uhr bzw. der Geschlechtstrieb die Zeit für gekommen hält und wenn Regen und angenehme Temperatur die Aktion fördern, dann wandern sie aus allen Richtungen und über mehrere Kilometer aus den Winterquartieren zu den Teichen, in denen sie selbst das Licht der Welt erblickten, um dort abzulaichen. Die Wanderung erfolgt explosionsartig, d.h. innerhalb von wenigen Tagen ist der Großteil der Amphibien am Teich eingetroffen.

Männlein und Weiblein begeben sich auf Wanderschaft. Normalerweise finden sich die Paare im Teich. Die Erdkröten jedoch finden ihren Partner vielfach schon während der Wanderung. Oft sieht man, wie die Weibchen die Männchen huckepack zum Teich tragen. Die Befruchtung erfolgt während der Eiablage im Wasser durch das aufsitzende Männchen.

Die Eiablage erfolgt im Wasser in den sonnenbeschienenen, d.h. wärmeren Flachstellen der Teiche. Während die Frösche ihre Eier in Ballen mit 450 - 4500 Eiern an der Oberfläche ablegen, ziehen die Kröten unter Wasser lange Laich-Schnüre mit 3000 - 8000 Eiern zwischen den diversen Wasserpflanzen. Die Molche dagegen heften ihre Eier einzeln an die Blätter der Wasserpflanzen und kleben die Blätter dann zum Schutze der Brut zu.

Eier > Kaulquappen > Amphibien, das ist der Gang der Entwicklung. Ab Mai hüpfen tausende kleine Amphibien in die Wälder. Nach 2 - 3 Jahren kehren sie erstmals geschlechtsreif zu den Geburts-Teichen zum Ablaichen zurück. Teilweise ziehen noch nicht geschlechtsreife Tiere mit. Ein angeborener Trieb zieht sie an den ersten wärmeren Tagen des zeitigen Frühjahrs an das Gewässer zurück, in dem sie einst ihr "Amphibien-Dasein" begannen - jedenfalls die Ortstreuen, die sog. Traditionslaicher. Das wiederholt sich dann jährlich bis zum natürlichen Ableben nach ca. 7 Jahren.

Die Verhältnisse um das Gut Waldau sind wohlbekannt: Ein Winkel, gebildet aus zwei lebhaft befahrenen Kreisstraßen, darin drei malerisch gelegene Teiche, die Laichgewässer, Ziel unserer heimischen Amphibien. Beim Queren dieser Kreisstrassen sind die Amphibien aufs Höchste gefährdet. Nicht nur der Autoreifen tötet, sondern auch die Druck-/Sog-Welle unter einem Fahrzeug. Die Rettungsaktion unseres Vereins besteht nun darin, in der Zeit von Ende Februar bis Anfang Mai eines jeden Jahres jeweils früh morgens und spät abends die Amphibien an den Auffangzäunen aus 85 Fangeimern behutsam einzusammeln und sicher über die Straße zu bringen. Damit konnte ein hoher Anteil der laichenden Amphibien gerettet werden. Jedoch der Nachwuchs, dessen Abwanderung vom Teich sich ab Mai über einer längeren Zeitraum hinzieht, blieb weiterhin den Gefahren der Strassen ausgesetzt. Hier werden die geplanten "Krötentunnel" Hilfe bringen.

Zielsetzung der Registrierung:
  • Wie viele Amphibien sind es insgesamt?
  • Welche Amphibienarten sind an der Wanderung beteiligt?
  • Wie stark sind die einzelnen Arten vertreten?
  • Wann erfolgt die "Wanderungsexplosion"? (Wichtig für Zaunaufstellungstermin)
  • Wo liegen die Hauptwanderwege? (Wichtig für Positionierung der anzustrebenden "Krötentunnel")
  • Welche Änderungen mit den Jahren sind zu beobachten?

 

Zahlenspiegel

 

Kalenderjahr

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

Insgesamt

2.983

1.379

1.695

1.978

1.408

1.912

2.822

3587

Hinwanderer

1.881

1.270

1.158

1.542

1.122

1.558

2.396

3102

Rückwanderer

1.102

109

537

436

286

354

426

485

Rückwanderer in %

58,6%

8,6%

46,4%

28,3%

25,5%

22,7%

17,8%

13,8%

Davon:

Frösche

1.378

446

690

1.073

665

971

1.639

1901

Kröten

1.388

791

841

634

493

638

670

897

Molche

217

172

164

271

249

333

451

789

Hauptwanderzeit

07.03. - 11.03.

08.03. - 13.03.

07.03. - 14.03.

02.03. - 12.03.

12.03. - 22.03.

16.03. - 31.03.

24.03. - 28.03.

22.02. - 02.04.



Wanderungs-Explosion:
In den Jahren hat sich gezeigt, dass die "Wanderungsexplosion" primär  durch die "innere Uhr" bzw. durch den "Bio-Rhythmus" bestimmt ist und sich kaum  verschiebt. Die Wanderungsexplosion findet "um den 10. März herum" statt.  Dabei handelt es sich um ein spezifisches Datum für Gut Waldau. In anderen  Regionen oder an anderen Laich-Teichen können sich andere typische Daten  ergeben.

Die Intensität der Wanderung wird vornehmlich durch das  Wetter bestimmt. Warmes Wetter und Regen in der betreffenden Zeit bringen  große Amphibienzahlen. Kaltes Wetter und Trockenheit bringen kleine Zahlen. Die  großen jährlichen Unterschiede in den Gesamtzahlen, die auch in  anderen Revieren  registriert werden, erklären sich weitgehend daher. Unterhalb einer bestimmten  Temperatur, nämlich unter ca. 7 °C, erfolgt keine Wanderung, bzw. sie  bricht ein.

Im Jahr 2003 gab es am 12. März mitten in der  Wanderungsexplosion einen Kälteeinbruch mit der Folge, dass die Wanderung  schlagartig zusammenbrach und dann zwei Wochen später mit dem wärmeren Wetter  wieder fortgesetzt wurde.

Im Jahr 2004 gab es bis zum 12. März - also  einer Zeit, wo die Wanderungsexplosion normalerweise zu Ende geht - noch Schnee  mit der Folge, dass die Wanderungsexplosion verspätet erst am 13. März  einsetzte.

Bei der verspäteten Wanderungsexplosion 2004 waren bei den  Fröschen erstaunlich wenige weibliche Tiere zu beobachten. Könnte es sein, dass
bei den Fröschen der Bio-Rhythmus so stark ausgeprägt ist, dass sie im Walde auf  der Wanderung "trocken" und ohne Befruchtung der Eier abgelaicht haben und dann  die Wanderung zum Teich gar nicht fortgesetzt haben???

Am Gut Waldau  beginnen Kröten und Frösche ihre Wanderung gleichzeitig. Also kein zeitlicher  Vorlauf für die Grasfrösche, wie es in einigen Fachbüchern zu lesen ist.


Rückwanderung: Während für die Hinwanderung offensichtlich die  "innere Uhr", d.h. das Datum, maßgebend ist, scheint für die Rückwanderung das  Wetter ausschlaggebend. Wir wissen, dass sich bei ungünstigen  Witterungsverhältnissen die Rückwanderung über Monate hinziehen kann. Bei
trockenem Wetter führt das dann zu einer geringeren Anzahl an registrierten  Rückwanderern.
Die Rückwanderung beginnt ca. 14 Tage nach Beginn der  Anwanderung. Entsprechend sollte der Rückwanderer-Zaun aufgestellt werden.


Gegenüber von Gut Waldau ist auch der Feuersalamander zu Hause.  Im Jahr 2004 wurden sieben Exemplare, die sich bei der nächtlichen Futtersuche  am Auffangzaun verirrt hatten (Fließgewässer-Laicher!!), aus den Auffangeimern  befreit. Ferner musste eine Blindschleiche befreit werden. 

Publiziert am: Donnerstag, 15. März 2007 (10381 mal gelesen)
Copyright © by Naturschutzverein Rheinbach-Voreifel e.V.

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